Der Schauspieler und Theaterpädagoge Frank Sommer hat mit Eventilator eine Veranstaltungsagentur aufgebaut, die ihresgleichen sucht.
Herr Sommer, vor über zehn Jahren haben Sie die Veranstaltungsagentur Eventilator gegründet. Seither waren Sie und Ihre Mitarbeiter landauf, landab unterwegs um bei Kindern und Jugendlichen die Neugierde auf Bücher zu wecken. Ist es Ihnen gelungen?
Frank Sommer: Wir sind sehr zufrieden mit den Rückmeldungen unserer Kunden und auch der Kinder und Jugendlichen. In unseren Veranstaltungen wird gelesen und gespielt, erzählt, gesungen und gezaubert. So wecken wir schon bei den Jüngsten auf unterhaltsame Weise Lesefreude.
Und die Jugendlichen?
Wir haben auch schon so manchen jugendlichen Lesemuffel überrascht. Das Schönste ist, wenn Jugendliche nach der Veranstaltung zu uns kommen und nach weiteren Lesetipps fragen oder sich einfach nur bedanken. Wir sind erfolgreich, wenn es uns gelingt, das Buch zum Gesprächsgegenstand auf dem Schulhof zu machen, denn Lesen hat bei vielen jungen Menschen ein schlechtes Image. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass Jugendliche viel lesen, dies aber nicht nach außen tragen, weil es als uncool gilt. Das können wir mit unseren Veranstaltungen ändern.
Wie viele Mitarbeiter haben Sie und wie sind sie ausgebildet?
Eventilator hat ein Team aus mindestens acht festen freien Mitarbeitern, allesamt Profis, also Schriftsteller, Schauspieler, Theaterpädagogen, Erzähler und Illustratoren. Und bei Claudia Steinseifer hier in unserem Büro am Oranienplatz laufen die Fäden zusammen.
Wen sprechen Sie mit Ihren Angeboten an?
In Buchhandlungen, Bibliotheken und Literaturhäusern, Kindertagesstätten und Schulen, kurz: in allen Institutionen, die sich um kreative Literaturvermittlung bemühen, sind unsere Angebote gefragt. Von Paderborn bis Göppingen, von Oschersleben bis Wittlich. Die Bibliotheken machen etwa 75 Prozent unserer Kunden aus. Aber auch die Zusammenarbeit mit Verlagen hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Darüber freue ich mich besonders.
Und auf welche Art von Angeboten können sich ihre Kunden freuen?
Unsere Programme haben viele Facetten. Die Palette reicht von Sprachspielwerkstätten für Kindergärten und Grundschulen über eine Büchershow bis zu Schreib- und Themenwerk-stätten für Jugendliche. Ganz gleich ob Wenig- oder Vielleser, wir finden für alle das passende Buch. Auch wer ein Literaturfest plant, eine Gruselnacht oder ein Leseprojekt ist bei Eventilator genau richtig. Fortbildungen für Pädagogen, Bibliothekare, Eltern und Vorlesepaten runden unser Angebot ab.
Besteht bei dieser Fülle nicht die Gefahr, dass Sie sich verzetteln?
Es ist gerade diese Vielfalt, die unsere Kunden schätzen. Im Laufe der Jahre sind wir durch die engen Kontakte und unsere Erfahrungen vor Ort zum Anbieter von passgenauen Veranstaltungen geworden. Da wir bundesweit operieren und Erfahrungen mit vielen unterschiedlichen Veranstaltern haben, kennen wir die Situation in Großstädten ebenso wie in ländlichen Regionen und wissen genau, welches Angebot zu der jeweiligen Zielgruppe passt.
Welches Ihrer Angebote ist besonders gefragt?
Bei den Fortbildungen wird „Leseknick-Teens aktivieren“ am meisten gebucht. Besonders große Nachfrage erfahren auch unsere Auftakt- und Abschlussveranstaltungen zum „LeseSommer“.
LeseSommer? Das müssen Sie uns erklären!
Deutschlandweit bieten Bibliotheken mittlerweile sogenannte Sommer- oder Ferien-Leseclubs an. Das sind wunderbare Leseprojekte in den Sommerferien für lesebegeisterte Kids und alle, die es werden wollen. Die Veranstalter starten oder beenden ihren Lesesommer mit einem Highlight für die Clubmitglieder. Und hier kommt Eventilator ins Spiel.
Wie das?
Damit die Aktion die Aufmerksamkeit der Kinder und Jugendlichen bekommt, die ihr gebührt, touren wir vor Beginn der Sommerferien durch die Schulen und Klassen. In mehreren 15-minütigen Auftritten an einem Vormittag machen wir die Kinder mit Zaubertricks und Bücherrätseln neugierig, verteilen dabei Programmflyer und Anmeldebögen.
Sie haben auch Abschlussveranstaltungen erwähnt.
Ja, manche Veranstalter entscheiden sich zusätzlich oder alternativ für eine Party zum Abschluss des Lesesommers, damit die Clubmitglieder das Projekt in guter Erinnerung behalten und im nächsten Jahr wieder dabei sind. Für sie haben wir – je nach Altersstufe –verschiedene Konzepte für eine Party im Angebot. Übrigens finden die Auftakt- und Abschlussveranstaltungen immer wieder die Aufmerksamkeit der lokalen Presse. Eine schöne Werbung für die Veranstalter.
Was raten Sie Veranstaltern die nun neugierig geworden sind, aber noch keine Erfahrung mit der Organisation eines Leseclubs haben?
Wir teilen unsere Erfahrungen gerne mit allen, die einen Leseclub organisieren wollen.
Wie meinen Sie das?
Wir begleiten die SommerLeseClubs in ganz Deutschland und haben damit einen sehr guten Überblick, was gut ankommt und praktisch und finanziell umsetzbar ist. Viele unserer Kunden rufen deshalb an und lassen sich am Telefon beraten. In diesem Jahr habe ich auch mehrere Fortbildungen gehalten unter dem Motto „SommerClub organisieren“. Da gebe ich praktische Tipps zur Organisation und weise auch auf mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projekts hin. Danach steht einem erfolgreichen Event nichts mehr im Weg.
Wie viele Ihrer Kunden sind „Wiederholungstäter“?
Zum Glück sehr viele. Mit vielen Einrichtungen haben wir eine sehr gute und enge Zusammenarbeit über viele Jahre. Die Resonanz der Teilnehmer und die Aufmerksamkeit der Presse haben sie überzeugt. Nicht selten bekommen wir dann auch Anfragen von anderen Interessenten aus der jeweiligen Region.
Viele Kinder wachsen heute zweisprachig auf. Haben Sie auch für sie ein Angebot?
Das ist eine gute Frage. Vielen Dank dafür. Wir bieten Veranstaltungen in deutscher und türkischer Sprache an. Dabei geht es um Jugendbücher mit Helden mit sogenanntem Migrationshintergrund. Das Angebot wird von Bibliotheken und Buchhandlungen begrüßt, aber die Buchungszahlen sind leider nicht so vielversprechend. Da gibt es dann doch Befürchtungen, dass eine solche Veranstaltung zu gewagt sein könnte. Wir sind dennoch dabei unser Angebot noch auszuweiten, denn Mehrsprachigkeit betrachten wir als Reichtum. Dies nehmen wir als Anreiz, neuartige Projekte zur Integrationsförderung zu entwickeln.
Mit welchen Kosten müssen Ihre Kunden rechnen?
Eventilator ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen und erhält keine staatliche finanzielle Unterstützung. Aber wir wissen auch um das knappe Budget der Veranstalter. Deshalb planen wir möglichst mehrere Termine in einer Region, das reduziert die Fahrt- und Hotelkosten. Wir schnüren auch gerne individuelle Pakete, beraten die Veranstalter kostenfrei bei ihren Ideen und Projekten und machen ein unverbindliches Angebot.
Und wenn der Auftrag konkret wird?
Wir stemmen mehr als 300 Veranstaltungen im Jahr. Da spricht es sich herum, dass wir tolle Events bieten, gut organisiert und auch bezahlbar sind. Eine transparente Abrechnung der Veranstaltungskosten gehört zu unserem Konzept.
Die Agentur hat sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt. Haben Sie schon neue Ideen?
Ja, wir haben gerade einen Ausschreibung im Neuköllner Rollbergviertel gewonnen, einem Berliner Kiez, der oft als Problemviertel bezeichnet wird. „Eltern sind (Lese-)vorbilder“ heißt das Modell, mit dem wir Eltern zeigen, was man mit Büchern alles machen kann. So wollen wir sie fürs Vorlesen begeistern. Auch dieses Projekt werden wir künftig bundesweit anbieten. Außerdem entwickeln wir gerade ein Projekt „Eltern machen lesefit“. Damit wird Eltern ganz praktisch und mit aktuellen Verlagsprodukten gezeigt, wie sie ihr Kind beim Lesenlernen unterstützen können. Zudem planen wir für 2012 das Projekt „Lesen trainieren“. Kinder und Jugendliche ab Klasse 5 können dann mit diesen Veranstaltungen ihre Lesefähigkeit verbessern, denn viele haben Lust zu lesen, aber ihr Können ist nicht genug trainiert. Es gäbe noch weitere Projekte zu nennen, am besten besucht man unsere Webseite. Dort sind alle neuen Angebote zu finden: www.eventilator.de
Die Fragen stellte Margit Lesemann
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