Künstler*innen stellen sich vor

Mit wem arbeiten wir eigentlich zusammen?

Unsere Serie Künstler*innen stellen sich vor geht weiter.

Wie der Titel ganz klar verrät, kommen hier die Künstlerinnen und Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten selbst zu Wort.

In Form eines Interviews erfahren Sie interessante und lustige Details über das Leben auf Lesesommer-Tour oder wer, wie und wann ins Schwitzen gekommen ist, aber lesen Sie selbst...

 

Heute ist meine Interviewpartnerin Silvia Freund. Sie ist Schauspielerin, Erzählerin, Musikerin und setzt alle ihre kreativen Fähigkeiten beim Erzählen in Bibliotheken ein.

Mehr zu ihrer Person und einen Videotrailer finden Sie auf ihrer Künstlerseite. Weitere Künstler*innen-Interviews finden Sie hier.

 

Liebe Silvia, warum bist du Erzählerin geworden?

Schon in meiner Schauspielausbildung, an der Uni und im TanzTheater beschäftigte ich mich mit frei erzählten, improvisierten Texten und mit Narratologie.

Im Aufbaustudium Theaterpädagogik an der UdK Berlin vertiefte Frau Prof. Kristin Wardetzky in den 1990-Jahren die Lust an der Oralität von Märchen und Mythen durch Erzähl-Projektwochen, und Erzähltheater-Aufführungen.

Nach der Geburt meiner Kinder gab ich das unstete Wanderleben mit freien Gruppen aus familiären Gründen auf und widmete mich verstärkt dem Erzählen.

Seit 2008 arbeite ich im - von Frau Wardetzky initiierten - senatsgeförderten Jahres-Projekt ErzählZeit in Grundschulen, Kitas und Bibliotheken.

 

Wie ist es zu deiner ersten Zusammenarbeit mit Eventilator gekommen?

2006 erzählte ich im Rahmen der Berliner Märchentage im Roten Rathaus. Ich war hochschwanger, die frei erzählten, szenisch bewegten Geschichten brachten mich ordentlich ins Schwitzen. Das Programm überzeugte Kristin Brachhaus, sodass sie mich zu einem Vorstellungsgespräch zu Eventilator einlud.

Frank Sommer buchte mich gleich für einen Auftritt in Brilon und von da an tourte ich mit Literaturprogrammen durch ganz Deutschland.

 

Du bist also bereits in Bibliotheken aufgetreten, wieso hast du dich dann zur Zusammenarbeit mit der Leseförderagentur Eventilator entschieden?

Eventilator kümmert sich um Marketing und Organisation von Veranstaltungen und unterstützt mich bei der Programm-Entwicklung.

Als Freelancer finde ich im Eventilator-Team den kreativen Austausch mit anderen Künstler*innen.

 

Wie kam und kommt es zur Entwicklung deines Programms?

Über die Jahre entstanden in Zusammenarbeit mit Frank Sommer (Agenturleiter Eventilator) viele Programme, die sowohl Neuerscheinungen als auch Literaturklassikern gewidmet sind.

Meine Favoriten sind Geburtstagsprogramme zu Pippi Langstrumpf, Jim Knopf oder Räuber Hotzenplotz.

Biographische Autorenporträts zu Michael Ende oder Otfried Preußler veränderten sich im Lauf der Jahre, wurden verdichtet und ergänzt.

Besondere Highlights sind Leseclub-Veranstaltungen oder interaktive Märchennächte mit frei erzählten Geschichten, Lesestellen aus Mythen, Märchen und phantastischer Kinderliteratur sowie szenischen Einlagen.

Auch die musikalische Seite mit Gitarre, Flöte, Perkussion, Gesang und Tanz kommt nie zu kurz.

 

Was passiert wenn du zum Beispiel „Schiff Ahoi“ in der Bibliothek aufführst?

Gleich zu Beginn falten wir Schiffe, die am Bühnenrand aufgestellt werden, dann tauchen wir ein in die Abenteuer der Seefahrer von Odysseus bis zur Piratenkönigin Grace O´Malley  und erleben den schiffbrüchigen Gulliver in Lilliput oder bei den Riesen.

Es gibt Infos zum Flaggen-Alphabet, zur Windstärke und zum Seemannsgruß „Ahoi“; wir üben Schiffsknoten, singen Seemannslieder, spinnen Seemannsgarn und

erraten die Namen berühmter Schiffe, die in Geschichte und Literatur eingegangen sind. Wenn alle gemeinsam das riesige, durchsichtige Wellentuch schwingen, sprüht die Gischt auf – ein Riesenspaß.

 

Ist vielleicht schon einmal etwas schiefgelaufen? Und was für eine Lösung habt Ihr gefunden?

Vor einigen Jahren zauberte ich bei einem Programm Bücher und besondere Requisiten aus dem Lesekoffer. Kinder durften helfen, die Klick-Schnallen zu öffnen.

Bei einer Veranstaltung in der Bibliothek Steglitz verstellten die Kinder den Code und der Koffer ließ sich nicht mehr öffnen. Eine Zeitlang war es lustig, wir probierten mehrere spitzfindige Zahlenkombinationen, das Publikum beteiligte sich in der Überzeugung, dass alles ein ausgeklügeltes, inszeniertes Spiel sei.

Ich allerdings war schweißgebadet und versuchte fieberhaft, den Code zu rekonstruieren – vergebens, der Koffer blieb zu. Es endete damit, dass ich die vorbereiteten Lesestellen frei improvisierte.

 

Kannst du uns von einer ganz besonderen Situation oder einem besonderen Auftritt, an den du dich noch lange erinnern wirst, erzählen?

Ein besonderes Highlight war im Herbst 2019 eine Reise nach Südtirol, wo ich in drei Tagen in neun völlig unterschiedlichen Bibliotheken mit Programmen zu Otfried Preußler unterwegs war.

Die Kinder aus Südtirol waren mit Herz und Seele dabei; eine Klasse wollte unbedingt einen Austausch mit Berliner Schulkindern organisieren – aber die Pandemie hat alles auf Eis gelegt.

 

Kannst du uns zum Schluss ein Buch, eine Geschichte oder Videotutorial empfehlen mit dem wir Anfänger*innen in das Erzählen einsteigen können?

Als lockerer Einstieg in die Kunst des freien Erzählens eignet sich die Lektüre der schmalen Westentaschen-Bändchen “Grimm frei erzählen” und „Mehr Grimm erzählen“ von meiner Kollegin Janine Schweiger.

Um das Erzählen selber auszuprobieren eignet sich die „Offene Erzählbühne Berlin“ des Vereins ErzählKunst e.V, die einmal im Monat - zurzeit digital - stattfindet. https://erzaehlkunst.com/erzaehlbuehne/

Ein Teil des Abends wird vom Publikum bestritten, ein Teil von einem professionellen special guest. Diese Erzählabende sind sehr erfrischend, durch den Vergleich mit anderen Darbietungen wächst man allmählich in die Erzählszene hinein und bekommt vielleicht Lust, an einer Erzählausbildung teilzunehmen.

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